
(CIS-intern) – Schulterschluss für eine starke Marschbahn: Um den seit Jahren störungsanfälligen Betrieb auf der 173 Kilometer langen Strecke zwischen Hamburg, Niebüll und Westerland leistungsfähiger und robuster zu machen, haben sich das Land Schleswig-Holstein und die Deutsche Bahn (DB) auf einen Fünf-Punkte-Plan verständigt.
Einen deutlichen Anstieg der Pünktlichkeit erhoffen sich Land und DB durch einen Trassentausch zwischen Regionalverkehr (DB Regio) und den Autozügen. Denn: Aufgrund der hohen Auslastung der Strecke und der überwiegenden Eingleisigkeit ab Husum/Niebüll verstärken sich Verspätungen bislang sehr schnell. Durch den Tausch der Trassen erhält der Regionalverkehr zusätzliche Fahrzeitreserven von bis zu 15 Minuten zwischen Husum und Niebüll. Diese Puffer ermöglichen es, Verspätungen aus dem Zulauf – insbesondere aus Richtung Hamburg – künftig deutlich besser abzubauen. Die Fahrzeit zwischen Niebüll und Westerland bleibt dabei unverändert. Trotz angepasster Abfahrtszeiten entstehen keine zusätzlichen Reisezeiten auf diesem Abschnitt. Die Fahrzeit für Regio- und Fernverkehrszüge auf dem gesamten Abschnitt von Hamburg bis Westerland erhöht sich zwar leicht um 10 bis 15 Minuten, dafür zeigen Simulationen aber deutliche Verbesserungen in der Pünktlichkeit aus Richtung Süden:
• Ankunftspünktlichkeit in Westerland steigt von rund 59 % auf bis zu 84 %
Ergänzend wird ein gemeinsames Störfallkonzept entwickelt und umgesetzt, das alle beteiligten Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) und Instandhaltungsbereiche enger verzahnt. Ziel ist, dass sich der Betrieb nach typischen Störungen schneller stabilisiert und Verspätungen sich nicht über Stunden aufschaukeln. Konkret bedeutet das: Für häufige Störungssituationen werden klare, vorab abgestimmte Abläufe festgelegt. Dazu kann im Einzelfall auch gehören, Verkehre gezielt zu priorisieren, um den Gesamtverkehr zu stabilisieren. Im Störungsfall können so schneller abgestimmte Entscheidungen getroffen und Auswirkungen für die Fahrgäste spürbar reduziert werden.
Einigkeit besteht darüber, dass die Kapazitätsengpässe auf der Strecke mittelfristig nur durch einen zweigleisigen Ausbau im Abschnitt Niebüll – Westerland gelöst werden können. Dieser wird in den besonders belasteten Abschnitten Niebüll–Klanxbüll und Morsum–Tinnum derzeit vorbereitet. Ziel ist eine deutliche Erhöhung der Betriebsrobustheit bei gleichbleibender bzw. höherer Geschwindigkeit. Das Projekt befindet sich nach Abschluss der Vorentwurfsplanung in der parlamentarischen Befassung. Die laufenden Planungen werden durch eine (Vor)-Finanzierung durch das Land fortgesetzt. Auch die Elektrifizierung bleibt Teil der Modernisierungsstrategie für die Marschbahn.
Die DB verfolgt schon länger einen integrierten Ansatz aus Investitionen, Instandhaltung und Betriebssteuerung. So wurden zwischen 2019 und 2025 bereits rund 219 Millionen Euro in die Marschbahn investiert, unter anderem in neue Gleise auf 210 Kilometer Länge sowie in Weichen, Bahnübergänge und Brücken. Für die Jahre 2026 bis 2030 sind weitere 68,7 Millionen Euro vorgesehen. Zusätzlich fließen bis 2028 rund 144 Millionen Euro in die Leit- und Sicherungstechnik, insbesondere in das neue Elektronische Stellwerk (ESTW) Niebüll, das bis Frühjahr 2028 in Betrieb gehen soll und neun mechanische Stellwerke ersetzt. Auch dies ist ein wichtiger Baustein zu mehr Pünktlichkeit.
Mit täglich rund 7.300 Reisenden ist Westerland ein zentraler Knotenpunkt auf der Marschbahn, auch der Bahnhof wird in den nächsten Jahren umfassend modernisiert und zukunftsfähig ausgebaut. Geplant sind unter anderem vollständig erneuerte und verlängerte Bahnsteige, neue bzw. zusätzliche Bahnsteigdächer, die erweiterte barrierefreie Ausstattung (Blindenleitsystem) und Reisendeninformation sowie die Sanierung des Empfangsgebäudes. Die Bauarbeiten im Empfangsgebäude sollen bereits Ende 2026 beginnen, bis 2029 soll der Bahnhof dann rundum modernisiert und die Arbeiten abgeschlossen sein. Das Land Schleswig-Holstein und die Deutsche Bahn finanzieren in gleichen Teilen die Bahnsteigmaßnahmen. Die Sanierung des Empfangsgebäudes und der erweiterten Ausstattungsmerkmale des Bahnhofs Westerland finanziert die DB mit Bundesmitteln.
Foto: Mario De Mattia
Zum heutigen Marschbahndialog auf Sylt erklärt der Landesvorsitzende der SPD Schleswig-Holstein Ulf Kämpfer:
„Der Marschbahndialog auf Sylt ist ein wichtiges Signal: Endlich bewegen sich Land, Bund und Deutsche Bahn gemeinsam. Dass es jetzt einen konkreten Fünf-Punkte-Plan gibt, ist vor allem das Verdienst all derjenigen, die seit vielen Jahren nicht lockergelassen haben: der Pendlerinitiativen, der Kommunalpolitiker*innen, der Abgeordneten auf Landes- und Bundesebene, insbesondere Truels Reichardt als örtlicher Bundestagsabgeordneter im Verkehrsausschuss des Bundestages, der Wirtschaft vor Ort und vieler engagierter Bürgerinnen und Bürger an der Westküste. Ihr Druck hat Wirkung gezeigt.
Die Lage auf der Marschbahn ist seit Jahren unbefriedigend. Pünktlichkeitswerte von teils unter 60 Prozent sind für eine Strecke, die Lebensader für fast eine halbe Million Menschen an der Westküste ist, schlicht nicht akzeptabel. Deshalb ist es richtig, jetzt kurzfristig mit zusätzlichen Puffern, einem verbesserten Störfallkonzept und Investitionen in Technik und Infrastruktur gegenzusteuern. Hier merkt man klar und deutlich den frischen Wind, den die neue Bahnchefin mitbringt. Im Konzept steckt jedenfalls mehr Palla als Günther.
Aber Dauerhafte Stabilität wird es nur mit dem zweigleisigen Ausbau und der Elektrifizierung geben. Entscheidend dafür wird nun sein, dass die Finanzierung verlässlich gesichert wird und Planung und Umsetzung tatsächlich beschleunigt werden. Der heutige Gipfel kann ein Wendepunkt sein. Ob er es wird, entscheidet sich nicht an Ankündigungen, sondern an spürbaren Verbesserungen für Pendlerinnen und Pendler. Dafür müssen jetzt alle Ebenen gemeinsam Verantwortung übernehmen.“



